Geschichte: Idiot
Samstagmorgen.
Ich schaue auf die Uhr, die, auf dem Boden, neben meinem Bett steht.
8:37 Uhr. Ich wache zur Zeit wieder früher auf.
Diesen Morgen hab ich keine Lust, lange im Bett zu verbringen. Ich hab auch nicht unbedingt Lust aufzustehen, tue es aber trotzdem.
Dazu, mir etwas zu Essen zu machen, komme ich nicht. Es klingelt. Ich hätte mir sowieso nichts machen können.
Normalerweise öffne ich die Tür nicht, lasse meinen Nachbarn das Paket annehmen und schnappe es mir von vor der Tür, nachdem es dunkel geworden ist. Aber heute will ich versuchen besser zu sein, will mich dem Postboten, oder wem auch immer, stellen.
Ich gehe also zum Tor. Es ist ein vergleichsweise langer Weg und es kommt mitunter vor, dass wer auch immer am Ende wartet, das nicht mehr tut wenn ich ankomme. Dass ich zu lange gebraucht habe, um zu entscheiden, ob ich mich ihm stellen werde.
Aber es ist nicht der Postbote, der dort steht. Es ist Mika.
Mika wohnt nicht in meiner Stadt. Überhaupt wohnt sie nicht nahe genug, um spontan bei mir vorbeizukommen. Nicht, dass sie das je geplant machen würde.
Ich öffne das Tor. Ich weiß, dass sie gestern jemanden am anderen, urbanen, Ende der Stadt getroffen hat, den sie über eine Datingapp kennengelernt hatte. Ich weiß nicht, ob die zwei schon ein Paar sind oder sich noch kennenlernen. Dass er das auch nicht weiß, weiß ich.
»Was machst du hier?«
Egal. Wir gehen erst wieder ins Haus. Wir umarmen uns. Kurz, schwach.
»Hast du was zu Essen im Kühlschrank?«
Mein Kühlschrank ist, wie mir gewohnt, leer. Wieder habe ich es zu lange hinausgezögert, einkaufen zu gehen und mich deshalb gestern schon von nur vier Scheiben Tilsiter ernährt.
Ich versuche zu reden: »Wie war Gestern?«
Ich verstehe immer noch nicht, warum sie hier ist.
»Kann ich bei dir duschen?«
»Na klar.«
Sie duscht. Die Haare wäscht sie nicht, sie sind trocken als sie wenig später das Bad wieder verlässt. Sie waren auch nicht dreckig.
Noch eine Umarmung. Kürzer, schwächer. Sie verabschiedet sich. Ich gehe einkaufen.